Stadtkommunikation mit Humor und Professionalität - message
Nachlese message.TALKS: Do., 7.5.2026

Stadtkommunikation mit Humor und Professionalität

Wir sprachen mit Andreas Trippolt und Simon Mayer von der Stadtgemeinde Kapfenberg darüber, wie Stadtkommunikation mit Humor und Haltung auch trockene Themen sichtbar und nahbar machen kann.


Wie viel Humor verträgt Stadtkommunikation? Und wie bleibt man dabei trotzdem professionell, glaubwürdig und relevant? Bei unserem letzten message.TALKS „Stadtkommunikation mit Humor und Professionalität“ haben Andreas Trippolt und Simon Mayer von der Stadtgemeinde Kapfenberg gezeigt, wie moderne kommunale Kommunikation funktionieren kann: strategisch geführt, mutig erzählt und mit ziemlich viel Gefühl für Timing, Tonalität und Social Media.

Auf Social Media geht Kapfenberg mittlerweile viral. Mit Beiträgen, die informieren, on Brand sind und genau den richtigen Nerv treffen. Im Gespräch mit Karl Hintermeier verrieten Andreas und Simon, wie sie Information und Unterhaltung verbinden, warum der Markenkompass im Alltag hilft und wie man es schafft, mit organischem Content regelmäßig stark zu performen.

In unserer Nachlese haben wir das Gespräch für Sie zusammengefasst. Die Präsentation dazu können sie hier downloaden. Den Audiomitschnitt zum Talk finden Sie hier:

Marke als Kompass, nicht als Dekoration

Der Markenkompass ist in Kapfenberg kein hübsches Extra, sondern ein echtes Arbeitsinstrument. Er hilft dabei, Themen zu bewerten, Geschichten zu erzählen, Zielgruppen anzusprechen und die richtige Tonalität zu finden. Die Markenvision beschreibt Kapfenberg als „Place to be in der Obersteiermark“ und steht für die zukunftsorientierte Veränderung der Stadt.

Das zeigt sich nicht nur in Kampagnen, sondern auch im Alltag: bei Social-Media-Beiträgen, bei der Stadtmöblierung, bei Bodenmarkierungen, bei Müllfahrzeugen mit Charakter und bei der Frage, ob ein klassisches Gruppenfoto wirklich die beste Geschichte erzählt. Spoiler: meistens nicht.

Statt Verwaltungssprache setzt Kapfenberg auf Geschichten. Statt Pflichtkommunikation auf Wiedererkennung. Statt „Wir müssen halt posten“ auf Content, der wirklich zur Stadt passt.

Humor ist nicht das Gegenteil von Seriosität

Der vielleicht wichtigste Punkt aus dem Talk: Humor und Seriosität schließen einander nicht aus. Im Gegenteil. Wenn Humor zur Marke, zum Thema und zur Zielgruppe passt, kann er komplexe Inhalte zugänglicher machen und Aufmerksamkeit dort schaffen, wo klassische Information oft untergeht.

Ein Beispiel: der Standortmanager als Wahrsager. Inhaltlich ging es um Leerstände, Innenstadtentwicklung, Betriebsansiedelung und Fördermöglichkeiten. Verpackt wurde das Ganze aber nicht als nüchterner Infopost, sondern als pointiertes Reel im Wahrsager-Setting. Die Botschaft blieb seriös, die Inszenierung wurde unterhaltsam. Genau hier liegt die Stärke guter Stadtkommunikation: Sie nimmt ihre Inhalte ernst, aber nicht immer sich selbst.

Auch bei der Personalsuche ging Kapfenberg einen eigenen Weg. In der Reihe „Hey Simon“ wurde der Bürgermeister in ein Gen-Z-Recruiting-Reel eingebunden. Das Ergebnis: ein Beitrag, der auffällt, polarisiert, unterhält und gleichzeitig auf Lehrstellen aufmerksam macht.

Organisch sichtbar: Wenn Content wirklich funktioniert

Die Zahlen belegen, dass diese Strategie nicht nur sympathisch klingt, sondern Wirkung hat. Von Jänner bis Mai 2026 erreichte Kapfenberg auf Facebook 928.796 Views, auf Instagram 573.233. Für 2025 wurden insgesamt 3,9 Millionen Views ausgewiesen – und das ohne klassisches Social-Media-Mediabudget.

Das ist für eine Stadt mit rund 22.000 Einwohner*innen bemerkenswert. Vor allem, weil die Reichweite organisch entsteht. Der Hebel liegt also nicht primär im Werbebudget, sondern in der Qualität der Ideen, in der Konsequenz der Umsetzung und im Gespür für Plattformlogiken.

Content is King? Ja. Aber nur, wenn er auch gut gemacht ist.

Redaktionelle Arbeit: Kreativität braucht Struktur

So locker viele Beiträge wirken, so klar ist auch: Dahinter steckt professionelle Redaktionspraxis. Das Team koordiniert laufend Themen, stimmt sich regelmäßig ab und arbeitet eng mit dem Bürgermeister zusammen. Im Talk wurde deutlich, dass gute Social-Media-Kommunikation nicht nebenbei passiert. Sie braucht Zeit, Ressourcen, Abstimmung und schnelle Entscheidungswege.

Besonders spannend: Kapfenberg denkt Social Media nicht als Resteverwertung aus Amtsblatt, Website oder Pressearbeit. Die Themen werden kanal- und zielgruppengerecht neu erzählt. Ein Inhalt kann in der Stadtzeitung sachlich erklärt, auf Facebook ausführlicher diskutiert und auf Instagram als Reel pointiert inszeniert werden. Das ist Stadtkommunikation mit System.

Bürgermeister, Standortmanager, junge Gesichter: Menschen machen Marke

Ein weiterer Erfolgsfaktor: Kapfenberg arbeitet mit wiederkehrenden Protagonist:innen. Der Bürgermeister wird nicht nur als offizielles Gesicht eingesetzt, sondern auch als Teil humorvoller Formate. Der Standortmanager bekommt Rollen, die zu seiner Persönlichkeit passen. Junge Content Creator:innen bringen eine andere Sprache, ein anderes Tempo und eine andere Nähe zu jüngeren Zielgruppen ein.

Damit entsteht etwas, das vielen Städten schwerfällt: ein echter Wiedererkennungswert. Menschen folgen nicht nur Informationen. Menschen folgen Menschen.

Und genau dadurch wird Stadtkommunikation persönlicher, nahbarer und lebendiger.

Vom Fanshop bis zur Baustellen-Marie

Besonders schön wurde im Talk sichtbar, wie breit Stadtkommunikation heute gedacht werden kann. Da ist einerseits der Kapfenberg-Fanshop, der die Marke der Stadt tragbar macht – mit Produkten, die on demand produziert werden und damit auch Nachhaltigkeit mitdenken. Der Shop ist weniger klassischer Merchandising-Kanal als vielmehr Markenbotschafter für den Kapfenberg-Vibe.

Andererseits gibt es die „Baustellen-Marie“, ein wiedererkennbares Format für Baustellenkommunikation. Statt komplizierte Maßnahmen sperrig zu erklären, werden Verkehrsinfos in animierten Erklärvideos aufbereitet. Schnell verständlich, visuell reduziert, regelmäßig einsetzbar und mit klarer Stimme. So wird selbst Baustellenkommunikation ein Stück Markenkommunikation.

Auch das ist eine wichtige Erkenntnis: Kreativität gehört nicht nur zu Imagekampagnen. Sie gehört genauso in die Kommunikation über Baustellen, Jobs, Leerstände, Veranstaltungen, Stadtentwicklung und Alltagsservices.

Und dann wurde der Bürgermeister Schlagerstar

Der virale Höhepunkt des Talks war natürlich der 1.-April-Case rund um Bürgermeister Matthäus Bachernegg alias „Matteo Rosso“. Oder wie Simon selbst sagt: „Mein persönliches Ostern und Weihnachten!“

Aus einer spontanen Idee wurde ein mehrteiliges Social-Media-Projekt inklusive Kapfenberg-Hymne „Amore unter den Linden“ und Fanshop-Anbindung. Das Ergebnis: mehr als 62.000 Views allein auf Facebook und Instagram und beeindruckende 3.200 Reaktionen. Oder wie wir sagen würden: „A star is born“!

Das klingt nach Spaß – und war es ganz offensichtlich auch. Aber dahinter steckt mehr: Timing, Mut, Rollenverständnis, Produktionstempo, Vertrauen in die Kommunikationsabteilung und ein Bürgermeister, der bereit ist mitzuspielen. Sehen Sie selbst!

Was wir aus dem message.TALK mitnehmen

Erfolgreiche Stadtkommunikation entsteht dort, wo Strategie und Kreativität nicht gegeneinander ausgespielt werden. Eine starke Marke gibt Orientierung. Ein gutes Team erkennt Geschichten. Humor schafft Aufmerksamkeit. Seriosität schafft Vertrauen. Und professionelle Umsetzung sorgt dafür, dass aus einer Idee nicht nur ein netter Einfall wird, sondern Kommunikation mit Wirkung.

Kapfenberg macht vor, wie Stadtkommunikation heute aussehen kann: mutig, menschlich, markenkonform, schnell, überraschend und trotzdem verlässlich.

Oder kurz gesagt: Stadtkommunikation darf Spaß machen. Sie muss nur gut gemacht sein.

Porträt von Andreas Trippolt und Simon MayerZu unseren Gästen

Mit Andreas Trippolt und Simon Mayer waren zwei Kommunikationsprofis zu Gast, die gezeigt haben, wie moderne Stadtkommunikation in der Praxis funktioniert. Vom Golfkommentator zum Kommunikationsleiter: Als Journalist bringt Andreas Trippolt das Gespür für Timing, Tonalität und den richtigen Spin mit – Qualitäten, die nicht nur im Medienbereich, sondern auch in der Stadtkommunikation den Unterschied machen. Simon Mayer ergänzt als Stadtmarketing-Experte und Content Creator das Duo mit einem feinen Gespür dafür, was für User:innen relevant ist, welche Formate funktionieren und wie Inhalte digital ansprechend aufbereitet werden.