WhatsApp in der kommunalen Kommunikation: Pain or Gain? - message
Whatsapp in der kommunalen Kommunikation: Neulengbach
Digitale Stadtkommunikation

WhatsApp in der kommunalen Kommunikation: Pain or Gain?

Wenn Stadtkommunikation näher an die Bevölkerung rücken soll, kann WhatsApp ein starker Kanal sein – vorausgesetzt, er ist gut geplant.

LESEZEIT: 4 MIN.

WhatsApp hat sich längst von der privaten Messenger-App zu einem festen Bestandteil digitaler Kommunikation entwickelt. Auch für Städte und Gemeinden wird der Kanal interessanter: als zusätzlicher Informationsweg, als Servicekanal, als Werkzeug für schnelle Updates und als Möglichkeit, Bürger*innen direkter zu erreichen.

Dabei ist WhatsApp nicht gleich WhatsApp. Channels, Broadcasts, Statusmeldungen oder Gruppen unterscheiden sich deutlich in Reichweite, Datenschutz, Interaktion und organisatorischem Aufwand. Für die kommunale Praxis kommen vor allem gut strukturierte Broadcast-Lösungen oder Channels infrage. Selbstverständlich mit sauberer Opt-in-Lösung, klarer Zuständigkeit und einer Portion redaktioneller Disziplin.

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt die Stadtgemeinde Neulengbach. Wir haben mit Katharina Ehart, Citymanagerin in Neulengbach, darüber gesprochen, wie WhatsApp in der Stadtgemeinde eingesetzt wird, welche Inhalte funktionieren und warum ein guter Kanal nicht einfach „läuft“, sondern immer wieder sichtbar gemacht werden muss.

„Eine gute Ergänzung zu Social Media“

Der ausschlaggebende Grund für die Stadtgemeinde Neulengbach, WhatsApp als zusätzlichen Kommunikationskanal einzuführen, waren die positiven Erfahrungen anderer Gemeinden. Besonders spannend war dabei die Möglichkeit, Menschen direkt zu erreichen.

Katharina Ehart beschreibt WhatsApp nicht als Ersatz für bestehende Social-Media-Kanäle, sondern als sinnvolle Ergänzung. Während Facebook und Instagram stark von Sichtbarkeit, Timing und Algorithmen abhängen, landet eine WhatsApp-Nachricht dort, wo Bürger*innen ohnehin täglich kommunizieren: am Smartphone und damit mitten im Alltag.

Genau darin liegt der Reiz: WhatsApp ist weniger Bühne, sondern mehr direkter Draht, über den die Information wirklich ankommt.

Warum sich Neulengbach für einen Broadcast entschieden hat

In Neulengbach setzt man auf einen WhatsApp-Broadcast. Die Gemeinde kann damit Informationen direkt an angemeldete Bürger*innen senden. Der entscheidende Unterschied zur klassischen WhatsApp-Gruppe: Rückmeldungen der Bürger*innen sind nicht für alle sichtbar, sondern landen direkt bei der Gemeinde bzw. den Kanalverantwortlichen. So bleibt der Kanal übersichtlich, serviceorientiert und gut steuerbar.

Bei der Anmeldung über die Gemeindewebsite geben die Abonnent*innen auch ihren Wohnort an. Dadurch können Informationen bei Bedarf gezielter ausgespielt werden, etwa wenn eine Baustelle, ein Stromausfall oder ein Servicehinweis nur bestimmte Ortsteile betrifft. Organisatorisch arbeitet Neulengbach mit einem eigenen Smartphone für die WhatsApp-Kommunikation. So hängt der Kanal nicht an einer einzelnen Person, sondern kann im Team betreut werden. Denn digitale Stadtkommunikation braucht nicht nur gute Inhalte, sondern auch Abläufe, die im Alltag funktionieren.

 „Der Mehrwert von WhatsApp gegenüber Social Media: Die Abonnent*innen erhalten Nachrichten direkt. WhatsApp ist nicht algorithmusgesteuert.“

Katharina Ehart
Citymanagerin Neulengbach

Direkter Draht statt Algorithmus

Den größten Mehrwert von WhatsApp gegenüber anderen Social-Media-Kanälen bringt Katharina Ehart klar auf den Punkt: „Die Abonnent*innen erhalten Nachrichten direkt. WhatsApp ist nicht algorithmusgesteuert.“

Das klingt technisch, ist aber kommunal betrachtet ziemlich emotional. Denn Stadtkommunikation lebt von Verlässlichkeit. Wenn es um Baustellen, Services, Veranstaltungen, Krisenkommunikation oder aktuelle Hinweise geht, soll die Information nicht davon abhängen, ob ein Algorithmus gerade gute Laune hat.

WhatsApp bietet hier einen anderen Kommunikationsmodus: direkter, verbindlicher, persönlicher. Der Kanal funktioniert weniger über Reichweite im klassischen Social-Media-Sinn, sondern über Nähe. Und Nähe ist in der Stadtkommunikation und im Stadtmarketing ein ziemlich wertvolles Gut.

Natürlich heißt das nicht, dass jede Gemeinde ab morgen nur noch WhatsApp machen sollte. Instagram bleibt stark für visuelles Storytelling, Veranstaltungen, Innenstadtflair und emotionale Bilder. Facebook ist in vielen Städten und Gemeinden weiterhin relevant, besonders für lokale Zielgruppen und Information. Die Website bleibt das zentrale digitale Service-Tool. Aber WhatsApp kann genau dort ergänzen, wo es um direkte, aktuelle und alltagsnahe Kommunikation geht.

Wen erreicht man mit WhatsApp?

In Neulengbach zeigt sich: Jugendliche werden über WhatsApp nicht automatisch besser erreicht, ebenso wenig ältere Semester, die kein Smartphone nutzen oder mit digitalen Tools wenig vertraut sind. Dazwischen funktioniert der Kanal jedoch sehr gut.

Das ist eine wichtige Erkenntnis für Städte und Gemeinden. WhatsApp ist kein Wunderkanal für alle Zielgruppen. Es ist auch kein Ersatz für eine durchdachte gesamtheitliche Kommunikationsstrategie. Aber es kann ein sehr wirksamer Baustein sein für Menschen, die Informationen gerne schnell, direkt und unkompliziert erhalten.

Damit passt WhatsApp gut zu einem zeitgemäßen digitalen Stadtmarketing und einer modernen Stadtkommunikation: nicht möglichst viele Kanäle mit den gleichen Inhalten gleichzeitig bespielen, sondern die jeweils passenden bewusst auswählen und konsequent nutzen.

In Neulengbach wird WhatsApp für unterschiedliche Inhalte genutzt: Veranstaltungen, Krisenkommunikation, Informationen über Services der Stadtgemeinde, Baustellen sowie aktuelle Hinweise für Bürger*innen.

Per WhatsApp-Broadcast direkt an die Bürger*innen: Veranstaltungen, Krisenkommunikation, Informationen über Services der Stadtgemeinde, Baustellen sowie aktuelle Hinweise. Für Veranstaltungen nutzt Neulengbach zusätzlich die Status-Funktion.

Was funktioniert auf WhatsApp besonders gut?

In Neulengbach wird WhatsApp für unterschiedliche Inhalte genutzt: Veranstaltungen, Krisenkommunikation, Informationen über Services der Stadtgemeinde, Baustellen sowie aktuelle Hinweise für Bürger*innen.

Besonders gut wurde die Kommunikation beim Hochwasser aufgenommen. In solchen Situationen zeigt sich der Wert eines direkten Kanals sehr deutlich: Menschen brauchen rasch verlässliche Informationen. Nicht vielleicht oder irgendwann, sondern jetzt.

Für Veranstaltungen nutzt Neulengbach zusätzlich stark die Status-Funktion, um nicht zu viele Direktnachrichten zu verschicken. Auch das ist ein wichtiger Punkt: WhatsApp-Kommunikation braucht Fingerspitzengefühl. Wer zu oft sendet, riskiert Ermüdung – wer zu selten sendet, gerät in Vergessenheit. Die Kunst liegt in der richtigen Dosis.

Das Kulturprogramm oder größere Veranstaltungshinweise werden etwa gebündelt kommuniziert – zum Beispiel am Monatsanfang. Zusätzlich wird stadtintern am Wochenanfang besprochen, welche Informationen über WhatsApp ausgespielt werden sollen. Gerade bei größeren Gemeinden ist diese redaktionelle Abstimmung entscheidend.

Katharina betont auch: „Informationen von Vereinen werden nicht einfach 1:1 weitergeleitet, sondern redaktionell überarbeitet und an die Kommunikation der Gemeinde angepasst.“
Das ist nicht nur Kosmetik: Denn auch ein WhatsApp-Broadcast ist Teil der Stadtkommunikation und damit Teil der Wahrnehmung Ihrer Stadt als Marke.

Datenschutz: der rosa Elefant im Gruppenchat

Keine WhatsApp-Diskussion ohne Datenschutz. Und ja, dieser Punkt ist in der kommunalen Kommunikation besonders wichtig. Katharina Ehart beschreibt Datenschutz als große Herausforderung: „Einerseits muss die Anmeldung korrekt und sauber ablaufen, andererseits soll sie für Bürger*innen nicht so kompliziert sein, dass sie den Vorgang nach wenigen Klicks abbrechen.“

Genau hier braucht es gute Vorbereitung: klare Prozesse, transparente Anmeldung, dokumentiertes Opt-in, verständliche Informationen und eine Lösung, die im Alltag praktikabel bleibt. Denn Datenschutz darf kein nachträgliches Pflaster sein. Er muss von Beginn an mitgedacht werden.

Ein Kanal funktioniert nicht, nur weil es ihn gibt

Ein WhatsApp-Kanal ist kein Selbstläufer. Damit er dauerhaft funktioniert, muss er immer wieder sichtbar gemacht werden – online, offline und vor allem dort, wo Bürger*innen ohnehin mit der Gemeinde in Kontakt kommen.

Im Gespräch verrät uns Katharina Ehart, dass der Broadcast aktuell wieder stärker beworben wird: etwa über regionale Zeitungen, bei Veranstaltungen, mit kleinen Flyern und QR-Codes sowie im Bürgerservice. Besonders wichtig ist dabei, dass alle den Kanal mitdenken und immer wieder darauf hinweisen: von den Gemeindemitarbeiter*innen und Politiker*innen über das Bürgerservice bis hin zu den Vereinen. Mundpropaganda is the key!

Wie wertvoll WhatsApp sein kann, zeigte sich beim Hochwasser 2024. Durch die schnelle und direkte Information wurde der Nutzen für viele Bürger*innen unmittelbar spürbar, und genau daraus entsteht Reichweite. Denn Menschen abonnieren nicht einfach einen Kanal. Sie abonnieren einen Mehrwert.

Zwischen Service und Sendepause

In Neulengbach werden etwa zwei Direktnachrichten pro Woche versendet. Zwei Nachrichten an einem Tag werden vermieden, tägliche Direktnachrichten ebenfalls. Ergänzend kommt der WhatsApp-Status zum Einsatz, um Informationen sichtbar zu machen, ohne die Nutzer*innen mit Push-Nachrichten zuzuspammen.

Das ist eine gute Orientierung: WhatsApp ist ein sehr persönlicher Kanal. Wer dort kommuniziert, betritt nicht den öffentlichen Feed, sondern gefühlt die Hosentasche der Bürger*innen. Das ist ein Privileg und sollte dementsprechend genutzt werden.

Für Städte und Gemeinden heißt das: Nicht jede Information muss per Direktnachricht hinaus. Manche Themen passen besser auf die Website, in den Newsletter, auf Instagram oder in die Gemeindezeitung. WhatsApp sollte dort eingesetzt werden, wo Direktheit wirklich einen Mehrwert bietet.

Unser Fazit: WhatsApp ist kein Allheilmittel. Aber ein ziemlich guter direkter Draht.

Ist WhatsApp in der kommunalen Kommunikation also Pain oder Gain?
Die ehrliche Antwort: zuerst ein bisschen Pain, dann ziemlich viel Gain.

Pain, weil Datenschutz, Opt-in, Zuständigkeiten, redaktionelle Planung und laufende Bewerbung gut geklärt sein müssen. Gain, weil WhatsApp ein direkter, kostengünstiger und bürger*innennaher Kanal sein kann.

Unsere Empfehlung: Starten Sie nicht mit der Frage „Brauchen wir auch noch WhatsApp?“, sondern mit: „Welche Information soll wen erreichen und warum?“ Daraus ergibt sich, ob der Kanal zu Ihrer Stadt, Ihrer Gemeinde und Ihren Ressourcen passt.

Wenn ja, gilt: Ziele klären, Zuständigkeiten definieren, Datenschutz sauber lösen, Inhalte bewusst auswählen und den Kanal regelmäßig sichtbar machen. Denn WhatsApp ist mehr als ein digitales Tool. Richtig eingesetzt ist es ein direkter Draht zu den Menschen und ein wertvoller Baustein für Stadtmarketing und Stadtkommunikation, die wirklich ankommen.

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Mag.a Lida Moldovan


Mag.ª Lida Moldovan

Expertin für digitale Kommunikation & Marketing

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